Sonntag, 3. Mai 2015

Die guten Vorsätze. Oder: #sas2015

Ein langer Prolog - meine Ziele fuer dieses Jahr - und jede Menge blabla!

Gute Vorsätze für ein neues Jahr hielt ich immer für bescheuert. Am Ende ändert man doch nichts und ist womöglich noch frustriert. Zumindest habe ich noch selten jemanden sagen hören, dass er zufrieden mit dem Erreichten sei. Immer heißt es, da geht noch mehr!
Inzwischen vertrete ich zwar keine ganz so starke Anti-Haltung mehr, aber im Grunde sitzt die Überzeugung noch immer tief. Trotzdem habe ich mich vor zwei Jahren von einer befreundeten Bloggerin mitreißen lassen, mir einen Blog zugelegt und voller Tatendrang 12 Punkte formuliert, die ich "bearbeiten" wollte. Das ganze nannte sich dann "12 in 2013" und wurde von Mina (schildmaid.net) selbst ins Leben gerufen. Ich dachte, in so einem Rahmen (bloggen, Monatsrückblicke, Gleichgesinnte) führt man sich seine Ziele immer wieder vor Augen und schafft vermutlich tatsächlich etwas...
Nunja, irgendwie weit gefehlt. Mit Kleinkind, Magisterarbeit, Schwangerschaft, Betreuungsplatzsuche und dem ganzen Sch***, der da in diesem Jahr auf mich einprasselte, war dann nicht mehr viel Zeit zum Bloggen - geschweige denn zum Besinnen. Aaaaaber, neues Jahr - neues Glück: bei "12 in 2014" war ich wieder dabei, Ehrensache! Die ersten zwei Monate zwar noch nicht, wegen der mündlichen Prüfungen, aber danach ganz sicher! ... *hüstel*... dachte ich. Mit inzwischen zwei Kindern, mal wieder intensiver und diesmal sogar doppelter Betruungsplatzsuche, drohender Arbeitslosigkeit und null Plan von der Zukunft ("irgendwas Sicheres, mit festen Arbeitszeiten, am liebsten Vollzeit, aber trotzdem vereinbar mit Familie"), war schon das erste halbe Jahr "tatenlos" verstrichen. Gegen Mitte des Sommers dann die Erlösung, beide Kinder in Betreuung und ein Plan für die nächsten drei Jahre. Wieder Schule, wieder Lernen und folglich: wieder kein Geld. Das hat sämtliche Prioritäten umgewälzt und meine Anfang des Jahres so vorsichtig formulierten Ziele erneut über den Haufen geworfen.

Und, habe ich daraus gelernt? Ihr ahnt es sicher - nein!

Wir haben 2015, "12 in ..." wurde deutlich umstrukturiert (nennt sich jetzt "sparkle & shine") und ich möchte trotz aller Vorbehalte wieder mitmachen. Der Grund ist ganz einfach: die neue Struktur! Im Mittelpunkt steht nämlich nicht mehr das bloße Benennen von Zielen, sondern viel mehr das Finden eines geeigneten Weges dahin - ganz nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel"! Das finde ich toll und daher unterstützenswert und deshalb mache ich wieder mit. Und sollte das ganze hier doch wieder einschlafen, dann habe ich mir zumindest ein mal dieses Jahr Gedanken über mein Leben gemacht - das ist mir auch schon Grund genug...

Aber gut, hier sind nun meine vier von Mina übernommenen Kategorien, was sich für mich dahinter verbirgt und wie ich diese Probleme bisher angegangen bin und in Zukunft noch angehen werde (denn nur weil man nicht drüber schreibt, heißt das ja nicht, dass man nicht schon aktiv is, wa?):

Koerper

Wie so ziemlich jede Frau in dieser Republik (ja, es gibt da ziemlich traurige Studien), bin ich nicht gerade zufrieden mit meinem Äußeren. Das betrifft meine Proportionen, meine Haltung, meine Kleidung, meine Unfähigkeit (und vor allem auch meinen mangelnden Mut), mich für besondere Anlässe mal rauszuputzen - kurz gesagt, ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden!
Um dagegenzuwirken habe ich dieses Jahr schon ziemlich viel angestellt. Ich habe meine Ernährung umgestellt, achte vor allem in der Werkstatt auf meine Rückenhaltung (habe aber trotzdem das Gefühl, dass es eher schlimmer wird) und habe mir im März sogar Schminke gekauft. Vor allem letzteres ist eine ziemlich lustige und dennoch unsinnige Angelegenheit. Ich hab das mit dem Schminken jetzt zwei/drei Mal des nachts probiert und kam mir mit dem Zeug im Gesicht so lächerlich vor - ich fange beim bloßen Gedanken dran an zu lachen!
Für den nächsten Monat habe ich mir vorgenommen, trotzdem noch etwas mehr zu üben. Das Grundmakeup kann ich ganz gut, aber sobald da Farbe mit ins Spiel kommt wird es Mist. Davon lasse ich mich allerdings nicht entmutigen. Der Tag wird kommen, an dem der Liebste und ich wieder auf Konzerte gehen können, und dann möchte ich wenigstens ein einziges mal in meinem Leben mit weißen Haaren, rotem Lippenstift und schwarz umrandeten Augen den klassischen Punk mimen (hab ja nix zu verlieren, bin ja in festen Händen, höhö). Denn eines steht schon mal fest, für den Alltag ist das viiiiiel zu viel Aufwand!
Ach und weil ich momentan ziemlich am Zahnfleisch gehe, werde ich nächsten Monat mindestens einmal die Woche vor zehn ins Bett gehen! In den letzten Monaten hat sich meine früher mal übliche Zeit zwischen 12 und 1 wieder eingeschlichen und das geht mit Schule ab 8, Kinder vorher weg bringen und auch am Wochenende nie ausschlafen können so überhaupt nicht!

Seele

Mein Hirn ist ein 24/7 ich will, ich will, ich will-Quälgeist. Ich will mehr nähen, aber ich will auch wieder tagelang Serien schauen, ich will meine Strick-UFOs endlich beenden und ich will 20 neue Häkelprojekte anfangen, ich will wieder zum Orchester gehen, Kontrabassunterricht nehmen, drei neue Sprachen lernen, in eine größere Wohnung ziehen und keine Geldsorgen mehr haben; ich will mehr Bücher binden und ich will mir ein richtig tolles Nähmöbel bauen, ich will unsere Wohnung nur ein einziges mal komplett aufgeräumt sehen, die komplette "Das Lied von Eis und Feuer"-Reihe am Stück durchlesen und spontane Wochenendtrips machen; ich will einen tollen Job haben, ich will mal was aus Fimo basteln, ich will wieder regelmäßig zum Kampfsport gehen und gleichzeitig aber mehr für meine Kinder da sein und am aller Meisten will ich sowieso mein altes Leben zurück (was auch immer das sein soll)...
Die Liste ist unendlich lang und selbst ohne Kinder, ohne Job und ohne Partner würden 24 Stunden am Tag nicht ausreichen, um all das zu machen, von dem mein Hirn mir sagt, dass es ganz toll sei. Wo fängt man also an?
Ganz klar, beim Ausmisten und vor allem Abschied nehmen! Viele Dinge habe ich bereits an den Nagel gehängt, einige temporär (Musik), andere für immer (Sport). Für den Rest gilt es zu priorisieren, zu schauen, wie wichtig mir die Dinge wirklich sind und vor allem zu akzeptieren, dass trotz unserer alles-ist-möglich-Mentalität eben nicht alles möglich ist - schon gar nicht mit Kindern und ohne Einkommen!
Und für alles, was dann trotzdem noch auf der Liste ist (und das ist noch immer viel zu viel zu viel!), führe ich seit Anfang des Jahres ein BulletJournal. Wer noch nie davon gehört hat, der kann sich hier belesen *klick*. Großartig drauf Eingehen werde ich jetzt allerdings nicht, da ich dazu noch einen separaten Beitrag plane. Ich kann aber schonmal so viel sagen, dass es bisher super für mich funktioniert. Ich habe meine möchte-ich-gerne-(mal-)machen- Wünsche auf dem Schirm, habe einen Überblick über mein Pflichtprogramm und kann beides schön miteinander koordinieren. Vier Monate arbeite ich nun schon damit und für Mai gilt es erst einmal weiter zu optimieren. Zum Beispiel habe ich noch Probleme damit, den Zeitaufwand von bestimmten Dingen einzuschätzen. Auch bin ich noch etwas unflexibel, was spontane Änderungen betrifft. Ich habe bisher noch keine Woche gehabt, in der alle meine Pläne aufgingen, selbst wenn es nur wenige waren. Aber irgendetwas kommt halt immer dazwischen: die Kinder schlafen schlecht, ein Test steht an, für einen Geburtstag brauchen wir noch schnell ein Geschenk, ich habe akute Unlust... Da gibt es tatsächlich vieles, was ablenkt, was einen nicht voran kommen lässt und letztendlich die Seele rastlos macht.
Daher werde ich diesen Monat meinen Fokus darauf legen, unerreichte Tages- und Wochenziele mit einzuplanen und zu lernen, damit umzugehen.

Kopf

Erwähnte ich bereits was ich alles will? Es ist eine ganze Menge. Wenn ich es aber auf die mir wirklich wichtigen Dinge runter breche, dann will ich vor allem eines: ständig neuen Input!
Nun lerne ich in der Schule zwar viele neue Dinge, die mich tatsächlich auch alle brennend interessieren, aber die Progression entspricht da nicht immer unbedingt meinem Tempo. Deshalb habe ich mich die letzten Monate wieder etwas mehr meinen Sprachen gewidmet. Und siehe da, ich habe mein erstes japanisches Buch gelesen! Nach acht Jahren Studium sollte man meinen, dass das vorher schon mal passiert ist. Aber nein, im Studium hatte ich gerade mal genug Zeit um mich den einschlägigen Fachartikeln zu widmen, nicht jedoch um mal nebenher ein ganzes Buch zu lesen. Ich bin eh nicht soooo die Leseratte. Umso größer war dieser Meilenstein daher für mich. Und das tolle ist auch noch, ich habe das Buch nicht einfach nur übersetzt (damit meine ich jedes dritte Wort nachgeschlagen), nein, ich habe es tatsächlich gelesen! So ganz ohne Wörterbuch (wobei ich einige Stellen noch mal mit Wörterbuch angehen sollte)! Das war schon irgendwie ein geiles Gefühl, zumal ich ja seit nunmehr vier Jahren kaum noch normal-japanischen (als Opposition zum wissenschafts-japanischen) Input habe. Im Mai möchte ich daher wieder mehr mit Japanisch zu tun haben. Allerdings will ich nicht unbedingt lernen, sondern es viel mehr in den Alltag integrieren. Ich dachte da an die Harry Potter-Hörbücher oder aber auch an "japanesepod 101". Von letzterem habe ich bisher viel Positives gehört, weshalb ich mich mal damit auseinander setzen werde...
Und weil ich, beflügelt von meinem Erfolg mit dem Buch (wir reden hier übrigens von 魔女の宅急便 a.k.a. Kikis kleiner Lieferservice, das mir die liebe Mina aus Japan mitgebracht hat), meine Energie gleich weiter nutzen wollte, habe ich vor zwei Monaten angefangen Norwegisch zu lernen. Öfter mal was neues halt... Leider war mein Lernaccount (ich lerne über eine App) erst mal auf einen Monat beschränkt, sodass ich die letzten drei Wochen wieder eher untätig war. Aaaaber, in ein paar Tagen sollte wieder Geld auf dem Konto sein und dann kann es weiter gehen, juhu! Norwegisch A2 nach GER sollte dieses Jahr mindestens drin sein!

Herz

Oooooooh, die Herzensangelegenheit. Ich habe ja lange überlegt, ob und wie viel ich dazu sage. Aber da ich eh nicht in die Puschen komme - und das schon seit zwei Jahren - , kann ich es genauso gut auch in die Welt schreien!
Ich bin im Nebenerwerb selbstständig, hatte mal angefangen ein paar Kleinigkeiten zu nähen und musste das ganze dann abrupt wieder einstampfen (fragt nicht, die Realität und so). Inzwischen habe ich mir viele Gedanken dazu gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass selber machen einfach nicht drin ist. Meine Tage (oder besser die Abende/Nächte) sind absolut unplanbar, die Wochenenden brauche ich für den Haushalt (und die Familie natürlich) und auf blöd komme ich tagelang nicht dazu eventuelle Aufträge zu bearbeiten. Irgendwie beschissene Voraussetzungen für einen eigenen Laden. Die Ideen sprudeln trotzdem nur so aus mir raus, weshalb ich beschlossen habe, statt selber Hand anzulegen, Schnitte, Schnittmuster und DIY-Kits anzubieten. Bei den Schnittmustern scheitert es momentan leider noch an der Technik. Ein halbwegs vernünftiges (CAD-)Programm, dass man auch gewerblich nutzen darf kostet ein kleines Vermögen und per Hand zu zeichnen und das dann zu verkaufen finde ich zu unprofessionell. Da möchte ich meinen Stempel dann auch nicht drunter setzen. Auch das habe ich daher erst einmal auf Eis gelegt bis ein wenig mehr finanzieller Spielraum da ist. Den ganzen Kinderkram, der mir so vorschwebt, wird es daher erst einmal nicht geben.
Stattdessen heißt es "back to the roots". Mein Label hat einen japanischen Namen und urpsünglich habe ich japanisches Zeugs angeboten und dahin werde ich zurück kehren. Erst einmal wird Papier und Papeterie im Vordergrund stehen. Dazu gehören Lesezeichen, ein paar handgebundene Büroartikel, Grußkarten, Schmuck aus japanischen Papieren (wobei ich da noch Angst habe, wieder irgendwelche Bestimmungen und Verordnungen übersehen zu haben) und je nachdem wie sich das ganze entwickelt später auch Bücher/Alben in japanischer Bindung bzw "einfach" aus japanischen Papieren. Ich hatte gehofft diese Woche schon online gehen zu können, aber da hatte ich weder die Prüfungen bedacht (so viel zum Thema BulettJournal funktioniert super, haha), noch zwei Wochen kranke Kinder eingeplant. Mir fehlt eigentlich nur noch eine Fotobox. Das Material ist da, aber gebastelt werden muss sie halt noch. Diese Woche dann hoffentlich!
Ihr seht, die Pläne sind groß, die Zeit zu knapp. Hier fehlt mir in jedem Fall das Konzept, in weiten Teilen das KnowHow (siehe technische Umsetzung) und sowieso alles, was irgendwie mit Marketing zu tun hat. Ist es dämlich, unter diesen Umständen ein solches Unterfangen anzugehen? Vermutlich schon; stört mich aber nicht. Die handwerklichen Fähigkeiten sind da, alles andere geht über trial&error...

Soooooooooo, ich denke jetzt habe ich alles abgedeckt.
Fiel es mir in der Schule und Uni immer schwer meine Seiten zu füllen, passiert das hier auf dem Blog seltsamer Weise von ganz alleine. Nunja, ich betrachte es mal als therapeutisches Schreiben und vor allem Auszeit vom Leben, soll ja auch gesund sein. Und weil Du, werter Leser, bis hierher durchgehalten hast, krisste n mentales Bienchen!

Ich für meinen Teil werde mich jetzt wieder der Wohnung widmen, damit das mit dem Laden endlich mal in Gang kommt (so Zeug braucht ja auch Stauraum und Platz beim Werkeln).

Bis zum nächsten Mal,
Johanne

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen